|
| |
| Hallo
zusammen,
Heute konnte ich mir einen
kleinen Traum erfüllen. Wie es die Überschrift vielleicht
schon erahnen lässt, bin ich heute mit einer Tupolev 154M geflogen.
Um genauer zu sein mit der RA-85833 der Ural Airlines. Diese ist die
zuletzt erbaute TU 154, Baujahr 2002. Auch wenn sie innen drin aus sieht,
als wäre die Kiste schon 20-30 Jahre alt. Aber dazu gleich mehr.
Wie ich dazu kam ? - Ein Mitglied unseres Spotter Vereines AFM arbeitet
am Flughafen, unter anderem für Ural Airlines. Von Ural hat er
ein Angebot erhalten, 20 Plätze für 150Euro hin und retour.
So kam es, dass er diese Tickets dem Verein zur Verfügung stellte
und wer für diesen Preis mitfliegen will, der soll sich einfach
melden. Ich musste nicht lange überlegen, ob ich fliege oder nicht.
Einen Linienflug mit einer Tupolev wird es von Deutschland aus schon
bald nicht mehr so einfach geben.
Jetzt aber zum Bericht:
|
| Ich erspare
mir die Erzählung vom früh Aufstehen und zum Flughafen gefahre
und beginne direkt am Airport. Nachdem mein Vater und ich uns mit einem
anderen AFM’ling getroffen haben und noch ein Getränk gekauft
haben, sind wir zu Ural im Modul C gegangen, wo wir auch die Anderen trafen.
Anschließend ging es zum Check In wo wir fest stellten, dass uns
für beide Flüge die letzten 10 Reihen geblockt wurden, Also
60 Sitze für 20 Passagiere Kurz darauf sind wir auch schon an der
Passkontrolle vorbei und fahren mit dem Bus zum Flieger. |
 |
| |
| Sofort kam mir der
typische Russen-Mief entgegen. Ein schwer beschreibbarer Geruch der ziemlich
ätzend und beissend ist. Einfach nur geil ! Mit der Zeit gewöhnt
man sich aber daran. Ich ging durch den Bussines Class-Bereich, vorbei
an dem ersten Touristikklassen-Bereich in den zweiten Econnomyteil. So
gehört sich das, Platz 26A, so ziemlich weit hinten im Flugzeug,
um auch ja den einmaligen Sound gut hört. Am Sitz angekommen ist
mehr erst einmal aufgefallen, wie fertig und billig verarbeitet die Maschine
doch eigentlich ist. Die sieht nicht nach 2 Jahren aus, rein optisch sind
das mindestens 20 ! Dann folgten die Security Instructions, sofern man
Das so nennen kann. Eine Stewardess, die irgendwie vorzeigt, wie man die
Sitzgurte schliesst und wieder öffnet, sowie man die Sauerstoffmasken
“bedient” war nicht zu sehen. Dafür wurde die Ansage
auf Russisch, Englisch und zu meiner großen Überraschung auf
Deutsch durchgeführt. Da konnte man über das Wort “Passagierkabinendruckverlust”
leicht hinwegsehen Das Boarding konnte pünktlich abgeschlossen werden
und um 10.05, 5 Minuten nach geplanter Off Block Zeit werden wir zurück
gestoßen. Face South stehen wir jetzt auf O1 und es wird Triebwerk
3 angelassen. Der Sound, es ist der Wahnsinn. Jeder, der schon mal eine
Tupolev 154 gehört hat, kann ihn sich eingier Maßen vorstellen.
Nachdem dann auch der dritte Ofen läuft, rollen wir in Richtung 26L
um München über die Eggenfelden Departure Route zu verlassen.
Hier ein Bild vom S6 runter auf die “Autobahn”. |
 |
| |
| An der Bahn warteten wir kurz
zwei Inbounds ab und linierten auf. Dann ging es los, langsam wurden die
Triebwerke hoch gefahren und der Flieger fing an, aus vollem Halse zu
“kreischen”. Wir holperten kurz über die Bahn und da
die Maschine mit knapp 80 Paxen nicht einmal halb voll war, rotierten
wir relativ früh. |
 |
| |
| Wäre es nicht
so bewölkt gewesen, würden noch ein paar Bilder von München
folgen, leider war dies jedoch nicht möglich, als fahren wir gleich
“über den Wolken” fort. Wie zu erwarten war dort das
Wetter herrlich und auch meine Belichtungszeit verdreifachte sich. Sieht
dieser Flügel nicht einfach klasse aus ? |
 |
| |
| Kurz darauf begann
dann der Board-Service mit Getränke und Essensverteilung. Anstatt
Wodka und Kohlsuppe gab es 7 Up (eine Art Sprite) und Brot mit Schinken,
Käse mit einem kleinem Nachtisch “Choco Pie”. Aufm Rückflug
gab es ein bisschen mehr Auswahl mit Lachs, Oliven, Tomaten und Gurken.
War wirklich nicht schlecht. Dazu gab es noch Tee, der extra serviert
wurde. |
 |
|
| Nach etwa einer Stunde
und 15 Minuten Flug begannen wir nördlich von Warschau den Descend.
Währendessen mussten wir noch eine Art “Einreisezettel”
ausfüllen, wo man Passnummer, Name, Geburtsdatum usw. einträgt.
Nachdem wir wieder die Wolkendecke durchbrochen hatten, waren wir schon
established in voller Landekonfiguration. Die Tupolev 154 braucht im Anflug
wegen voll ausgefahrener Klappen und Fahrwerk 70 bis 80% Triebwerksleistung
was natürlich wieder ein genialer Sound ist. |
 |
|
| Der Flughafen liegt
scheinbar mitten in der Pampa. Man hat nicht, wie bei Westeuropäischen
Flughäfen gesehen, wann der Flughafen beginnt (zum Beispiel an fein
gemähten Rasen), sondern ist einfach auf ein Feld angeflogen. Kaum
war die Bahn unter uns zu erkennen, berührte das Maingear auch den
Boden. Der Touch Down war weich, aber wie der Pilot die Maschine abgebremst
hat, das war nicht mehr normal. Dadurch, dass man die Sitze in einer TU
5 ganz einfach nach Vorne umlegen kann, hat’s die, wo niemand saß
umgeklappt. Wie zu erwarten, ein Hammer Sound, wenn die Tupolev 154 mit
vollen Reversern die Bahn hinunterrauscht. Am Ende drehten wir auf der
Bahn um und rollten zurück. Ich glaub, der Gummiabrieb wird hier
nicht abgekratzt... |
 |
|
| Beim Backtrack hat mich schier
der schlag getroffen. Auf der linken Seite der Bahn war das Nationale
Terminal. Dort standen etwa 7 Tupolev 134 und 2 Tupolev 154. Vier TU134
waren von Kaliningradavia, zwei von Aeroflot und eine ganz weiße
von der Regierung. Eine TU5 war von Aeroflot, die Andere von Ohrenburg.
Auf der rechten Seite der millitärbereich verdeckt von Bäumen.
Zu erkennen waren etwa drei Anontov 12, vier oder mehr Antonov 26 und
2 oder mehr Mil Mi 8. Am internationalen Terminal angekommen, verliessen
wir die Maschine, jedoch nicht ohne einem Cockpitbesuch. Das muss in einer
Tupolev 154 auf jeden Fall drin sein. Besetzt war das Cockpit mit vier
Mann, ausgelegt ist es für sechs. |
 |
|
| Dann, wieder was, das mein Herz
höher schlagen lies. Rechts die Nase der Tupolev 154, voraus das
“Internationale Terminal”. Das kyrillische bedeutet wahrscheinlich
Kaliningrad, das Zeichen drüber kennt wohl jeder. Umgeben von zwei
Tupolev 134 sind hier “Hammer” und “Sichel” der
“Sowjets” zu sehen. Einfach nur geil, that’s Russia. |
 |
| |
| Auf dem Weg zur “Flughafenbaracke”
hörte ich nur noch ein schrilles Geräusch. Geil, eine Tupolev
134 rollt zum Start. Sofort Kamera raus und paar mal draufgedrückt,
schade nur, dass es keine Kaliningradavia war, die hat bedeutend mehr
Farbe drauf. |
 |
| |
| Im Terminal angekommen fühlte
ich mich wie nach einer Zeitreise, die mich ins Jahr 1930 versetzte. Ich
war zwar damals noch nicht geboren, aber von Bildern und Erzählungen
weiß man ja ungefähr wie es aussieht. Alles exakt wie vor knapp
70 Jahren, alleine schon der Geruch von verbrannten Öl und Kohle
im Gebäude drinnen war der Wahnsinn. Während unsere Pässe
gecheckt wurden und einer von uns versuchte, einen Vorfeldzugang auszuhandeln,
schaute ich mich ein wenig um. Mein Blick fiel auf die Toilette, aber
seht selbst: |
 |
|
| Alleine schon die
Kacheln, leider kommt es auf den Bildern nicht so gut rüber, wie
es "live" war. So was lässt sich leider schlecht auf Bildern
darstellen. Nach etwa 20 Minuten kam der Russe vom Flughafen wieder und
meinte, wir können uns auf dem Vorfeld frei bewegen. Nur können
wir nicht zum Nationalen Vorfeld, da wir dazu die Bahn überqueren
müssten und es für uns keinen Bus gibt. Aber das ist kein Problem,
hauptsächlich ich kann meine TU5 schießen. Aber zuerst mal
ein richtig genialer Tanker, die Autos dort drüben am Vorfeld sind
genau so alt wie der Airport an sich, einfach nur klasse. Ich habe jetzt
noch den Geruch von dem verbannten Diesel in meiner Nase. |
 |
| |
| Neben uns waren zwei
Mil Mi 8 abgestellt, sie gehören der Lukoil, einer russischen Ölfirma.
So, und jetzt folgen einige Bilder "unserer" Tupolev. Ich konnte
nicht anders und habe dort fast 100 Bilder gemacht. Hier die Cockpitcrew
vor Ihrem Goldstück. Das Flügelende, wohl auch schon ziemlich
abgenutzt. Und der Vogel soll 2 Jahre alt sein ? Ich musste ein wenig
aufpassen, rechts von mir war eine etwas größere Ölpfütze,
aber so was ist wohl normal in Russland. Noch einmal das Flughafenhäusschen,
einfach klasse. Neben an wohl der einzige Bus am ganzen Flughafen, der
hat wohl auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Die Russen, entweder
man liebt sie, oder man hasst sie. In meinem Fall wohl garantiert Ersteres
|
 |
| |
| So, und jetzt folgen einige Bilder
"unserer" Tupolev. Ich konnte nicht anders und habe dort fast
100 Bilder gemacht. Hier die Cockpitcrew vor Ihrem Goldstück. |
 |
| |
| Das Flügelende, wohl auch
schon ziemlich abgenutzt. Und der Vogel soll 2 Jahre alt sein ? Ich musste
ein wenig aufpassen, rechts von mir war eine etwas größere
Ölpfütze, aber so was ist wohl normal in Russland |
 |
| |
| Noch einmal das Flughafenhäusschen,
einfach klasse. Neben an wohl der einzige Bus am ganzen Flughafen, der
hat wohl auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Die Russen, entweder
man liebt sie, oder man hasst sie. In meinem Fall wohl garantiert Ersteres
|
 |
| |
| Tolles Flugzeug, nur wo sind die
Triebwerke hin ? Die Stange und das Kabel welches Links zu sehen sind,
stammen von dem Groundpower-Wagen, welcher im Titelbild und später
noch mal gut zu sehen ist. |
 |
| |
| Widmen wir uns mal dem Maingear.
Ziemlich groß, muss aber so sein, da die Tupolev 154 ziemlich tailheavy,
also Hecklastig ist. Auf dem Bild kann es leider nicht so gut sehen, aber
bei genauerem Hinsehen ist aufgefallen, dass die Reifen so gut wie gar
kein Profil mehr hatten. Wäre das jemanden in Deutschland aufgefallen,
ich weiß nicht, ob der Vogel noch abgehoben wäre |
 |
| |
| Hier noch einmal der
Bus, welcher unsere Crew, die heute schon Yekaterinenburg - München
- Kalingrad flog, zum nationalen Terminal brauchte. |
 |
| |
| Joa, und ähm, das ist die
"Fluggastbrücke". So eine krumme alte Treppe habe ich noch
nie gesehen, passt aber perfekt in die Landschaft und zu dem Flieger.
|
|
| |
| Da ist es, das Prachtstück,
welches uns nach Kaliningrad verfrachtete und bald auch wieder zurück
nach München. Man bedenke, wir waren ohne Visum in Russland zu Gast,
das muss man uns erst mal nachmachen |
 |
| |
| Und hier der versprochene Ground-Powerwagen
welcher den Flughafen zudieselte. |
 |
| |
| Keine Ahnung, warum ich das Bild
gemacht habe, ist aber auf jeden Fall mal was Anderes ! |
 |
| |
| Dann war es auch schon wieder
so weit. Wir gingen zurück ins "Häusal" und kauften
noch etwas am "Kiosk" (von einem Duty Free-Shop kann hier nicht
die Rede sein). Dort kostete eine 0,5L Flasche Wodka umgerechnet nur 2
Euro. Auch das Bier war mit 70Cent sehr günstig. Wir bekamen unsere
Pässe wieder zurück und da wir bereits beim Einreisen eine Boardingkarte
für den Rückflug erhalten hatten, durften wir als Erstes den
Flieger betreten. Wieder waren die hinteren 10 Reihen für uns geblockt
und es gab praktisch eine freie Sitzplatzwahl. Diesmal entschied ich mich
für 24F, auch wieder eine nette Aussicht über dem Flügel.
Nachdem dann auch die anderen 70 Passagiere platz gefunden hatten, die
Engines angeworfen wurden und die Sicherheitsansage durch den Lautsprecher
bekannt gegeben wurde rollten wir auch schon in richtung Runway. Bzw.
Runway kann man nicht wirklich sagen, eher ein Feld, welches mit ein paar
Steinplatten abgedeckt war. Wir rollten auf die Bahn und es wurden zu
erst die Parking Brakes gesetzt. Anschließend heulten auch schon
die Triebwerke auf und liefen auf voller Power - jedoch immer noch mit
"angezogener Handbremse". Nach etwa 10 weiteren Sekunden wurde
die Bremse gelöst und wir begannen mit dem "Raketenstart".
Wirklich genial sowas. Da die Runway wie eine Schotterpiste schien, rumpelte
im Flieger alles und die billig angeschraubten Overheadpins schienen auseinander
zu fallen. Kurz vorm Ende der kurzen 2.500 Meter Bahn waren wir airborne.
Zur Linken sah man die Ostsee, rechts eigenlicht nichts Und schon sind
wir durch die erste Schicht Wolken hindurch. |
 |
| |
| Auch ein Kabinenfoto konnte ich
nicht lassen, hier unsere Truppe, man erkennt eindeutig, dass der hintere
Teil geblockt war, während im mittleren Teil der Kabine die restlichen
Passagiere eng aufeinander "hockten". |
 |
| |
| Wieder, nach etwas einer Stunde,
verließen wir unsere Reiseflughöhe von 36.000feet. Durch ein
paar Wolkentürme durch wurden wir ordentlich durchgeschüttelt
und flogen direkt auf eine Gewitterfront zu. Doch da wir uns vermutlich
gerade über der LANDU Interesection befanden, drehten wir vorher
nach rechts ab und umgangen Diese. |
 |
| |
| Nach einer weiteren Rechtskurve
waren wir wieder established auf der Runway 26R des Münchner Flughafens.
Das Wetter ist auch hier nicht so super, es regnet. |
 |
| |
| Wie gesagt, da es regnete hatten
wir eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Daher konnten wir kurz vorm Touchdown
die komplette Luftströmung um den Flügel sehen. Es war nicht
das Erste mal, dass ich so was erlebt habe, aber so extrem ? |
 |
| |
| Ein weicher Touch Down und wir
sind wieder auf Mutter Erde. Noch ein letztes mal den Sound der Reverser
genießen, wer weiß, wann es mal wieder so weit sein wird ?
Über A4 verließen wir die Runway und rollten über N1,
C1 und O1 zur Parkposition 135 wo die TU 154 so gut wie immer abgestellt
werden. Neben uns die Zwillingsschwester, jedoch der Tajikistan. Ja, und
mit diesem Nose Clos Up der RA-85833 möchte ich mich von euch verabschieden. |
 |
| |
| Ein großes Dankeschön
an Euch, für das Ansehen und Lesen meines Berichtes. Steckte doch
ziemlich viel Arbeit dahinter und ich hoffe, dass Sie es Wert war. Auf
alle Fälle hat es Spaß gemacht, den Bericht zu schreiben und
einen Tripreport von einem Tupolev 154-Flug ist auch mal eine angenehme
Abwechslung. |
Verwendete Kamera
+ Objektive:
Canon EOS 300D (Digital)
Canon EF 18-55 USM
Canon EF 28-90 USM
Canon EF 75-300 IS USM |